7.1 Das Reich Gottes und die Herrschaft der Heiligen


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Was ist das "tausendjährige" Reich bzw. was ist es nicht?

Der Begriff "tausendjähriges Reich" ist nicht direkt ein biblischer Ausdruck, er wird aber im Sprachgebrauch so verwendet. Mit tausend Jahren wird die Zeit (oder besser der "Zeit-Raum") ausgedrückt, in dem der Teufel im Abgrund gebunden ist und in dem die Heiligen der ersten Auferstehung mit Christus regieren. Nur die Offenbarung (Off 20) spricht von dieser ersten Auferstehung und diesen 1000 Jahren. Im alten und neuen Testament ist allgemein vom "Reich Gottes" die Rede, vom Himmel oder Himmelreich, vom ewigen Leben und vom himmlischen Jerusalem - die Auferstehung der Toten allgemein bedeutet die Auferstehung zum ewigen Leben oder ewiger Schande / Gericht (Dan 12, 2; Joh 5, 28-29).
Unter "Gottes Reich" sollte man sich zunächst eher die Art Gottes, das Wesen Gottes vorstellen als ein territoriales Gebiet. Ein Gebiet kann dann wiederum einem Reich, d. h. einer bestimmten Herrschaft, unterstellt oder zugeordnet werden.

Ein Engel, der den Schlüssel zum Abgrund hat, fesselt den Satan für 1000 Jahre. Der Satan bleibt bis zur Vollendung der tausend Jahre im Abgrund und kann die Völker nicht verführen.
Throne werden zum Gericht besetzt.
Es gibt eine erste Auferstehung zum priesterlichen Regieren mit Gott und Christus. Es regieren diejenigen mit Christus, die um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen enthauptet waren, und die das Tier und sein Bild nicht angebetet hatten und die sein Zeichen nicht an ihre Stirn und auf ihre Hand angenommen hatten (- was auch immer das bedeutet).
Der zweite Tod hat keine Macht über sie.
Bei Vollendung der 1000 Jahre wird der Teufel noch einmal losgelassen, verführt die Völker an den vier Enden (Ecken, äußerste Winkel) der Erde, steigt mit ihnen herauf auf die Ebene (oder Breite) der Erde und versammelt sie gegen die Heiligen und die geliebte Stadt. Feuer vom Himmel verzehrt sie. Der Teufel hat keine Macht mehr und wird für immer und ewig in den feurigen Pfuhl gestoßen. Dann erst folgt die zweite Auferstehung zum Endgericht.

Alle Menschen, die als Erlöste auferstehen, sei es in der Auferstehung zum Regieren mit Jesus oder in der Auferstehung allgemein zum ewigen Leben, sind bei Jesus, in seiner heiligen Gegenwart. Sie leben ewig und sind im Reich Gottes, wo der Teufel nichts mehr wirkt und nicht mehr erscheint.
Was passiert jedoch mit der Erde oder auf der Erde im Zusammenhang mit dieser Herrschaft der Heiligen? Wenn der Teufel gebunden und dann aber wieder losgelassen ist, hat dies einen Bezug zu "irdischen" Völkern, denn "himmlische" Menschen, Auferstandene und Verwandelte können nicht verführt werden.
Die "irdischen" Menschen erleben dann also die Königsherrschaft Jesu und der Heiligen. Wenn man das Verbannen des Teufels von der Erdoberfläche wörtlich nimmt und es alle Menschen betrifft (nicht nur einzelne zu manchen Zeiten), gibt es keine Versuchungen mehr, keine Anklage, keinen Wirkungsbereich des Bösen (vgl. auch Jes 24, 21-22, Jud 1, 6: "gefallene" Engel sind fürs Gericht festgehalten und Mt 16, 18-19: Binden und Lösen auf der Erde gilt auch für den Himmel). Dieser Zustand würde bereits bedeuten, dass Erkenntnis und Herrlichkeit des Herrn die ganze Erde füllen. In dieser Erkenntnis und Gegenwart Gottes ist es unmöglich, zu sündigen.
Hab 2, 14 Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.
Ps 97, 6 Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und seine Herrlichkeit sehen alle Völker.
Ps 148, 13 Die sollen loben den Namen des HERRN; denn sein Name allein ist hoch, seine Herrlichkeit reicht, so weit Himmel und Erde ist.


Wir loben Gott jetzt schon für diese Herrlichkeit. Die ganze Welt hat es allerdings bis jetzt noch nicht begriffen, diese Zeit steht noch bevor (Jes 25, 7 "die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind").
Wir wissen auch, dass der normal sterbliche Mensch dieses heilige Leben in der vollen Erkenntnis des Herrn von sich aus nicht hervorbringen kann, auch wenn er sich noch so bemüht - Jesus allein lebte dieses heilige Leben im Willen des Vaters auf der Erde.
Man kann schlussfolgern, dass hier eine Veränderung stattgefunden hat: Ein übernatürliches Eingreifen, um den Teufel aus dem Leben der Menschen fernzuhalten; eine Gegenwart des Herrn; wahrscheinlich auch eine Veränderung der Erde. Wurde die Zeit als Chronos schon aufgehoben (Off 10, 6-7 gilt "in den Tagen" der 7. Posaune)? Zwei Dinge sind über die Erde beschrieben: Die Völker an den Enden oder Ecken der Erde (Gog und Magog) und die Ebene oder Breite der Erde mit den Heiligen und der geliebten Stadt. Die Heiligen und die geliebte Stadt erinnern daran, was bei Jesaja ausführlich beschrieben wird: der heilige Berg Zion, die heilige Stadt Jerusalem, sichtbar für die Heiden und ein Lobpreis auf Erden (Jes 62, 1-7). Sacharia 14 beschreibt die Vertilgung der Heiden, die gegen Jerusalem gezogen sind. Auch hier geht es um die Herrschaft Jesu und der Heiligen (Sach 14, 9) und eine Verwandlung des Landes (Sach 14, 4-5 und 10).

Das Herrschaftsreich liegt bei den Auferstandenen der ersten Auferstehung. Die zweite Auferstehung zum Endgericht hat "noch nicht" stattgefunden. Wohl gemerkt: Die Bibel sagt nicht, dass dieses Reich selbst nur 1000 Jahre andauert, sondern der Teufel ist 1000 Jahre gebunden. Dieses Herrschaftsreich der Auferstandenen ist Gottes Reich und somit ein ewiges Reich. Dieses Reich hat seine Auswirkungen auf der Erde, bzw. könnte man sich vorstellen, dass es die Erde "durchdringt". Sicherlich wird dieses Reich für die Menschen auf der "natürlichen" Erde in irgend einer Form offenbar.
Wo bewegen sich die Auferstandenen? Sie selbst sind nicht mehr an Raum und Zeit gebunden. Sie sind von Gott "erhöht" worden. Denken wir noch einmal an den auferstandenen Jesus. Trotz seines unverweslichen Auferstehungsleibes hat er sich ins Irdische hinein bewegt, mit den irdischen Menschen geredet, hat gegessen, war jedoch nicht an den irdischen Raum und die Zeit gebunden und war darin nicht beschränkt. Danach fuhr Jesus in den Himmel auf. Als Auferstandener lebt er in Ewigkeit in seiner ganzen Autorität.

Wie ist der Angriffsversuch "nach den 1000 Jahren" auf die Heiligen und die geliebte Stadt zu verstehen? Das Vergängliche, ("Unter"-)Irdische stellt sich gegen das Heilige, Übernatürliche, Erhöhte. Es ist ein direkter Angriff auf den Ort der Heiligkeit und die dort "wohnen", auch ein Angriff auf die Königsherrschaft Jesu. Jedoch kann der natürliche Mensch nicht das Heilige (=Abgesonderte), Übernatürliche besiegen, es ist auch dem Zugriff des Teufels verweigert. Gott selbst macht diesen Feinden ein Ende. In diesem Zusammenhang werden die Namen Gog und Magog erwähnt.
Gog und Magog als Heerführer vieler Völker finden wir auch bei Hesekiel 38-39. Auch hier geht es um einen Angriff zu einer Zeit, in der Israel sicher wohnt, am Ende der Zeit (Hes 38, 14-16). Gott selbst erweist sich als der Heilige und lässt die Feinde auf freiem Felde fallen (Hes 39, 4). Die Ereignisse bei Hes 38-39 und auch bei Sach 14 weisen Parallelen auf sowohl zu "Harmagedon" (Off 16, 12-21, die letzten zwei Plagen, Versammlung zum Kampf allgemein) als auch zu "Gog und Magog" (Off 20, 8-9, letzte Verführung nach dem Gebundensein des Teufels zum Kampf gegen die Heiligen und die geliebte Stadt).

Ps 97,10 Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge! Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen; aus der Hand der Gottlosen wird er sie erretten.

Nach Off 20, 4 haben insbesondere die Märtyrer Teil an dieser ersten Auferstehung. Sind auch die auferstandenen Heiligen (siehe Mt 27, 50-53) und die Entrückten Teil davon? Gehören auch die Auferstandenen Israels schon hierzu (Hes 37, 12-14)?
Hes 37, 12-14 Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole. Und ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der HERR.
Sind auch Mose und Elia nach Mt 17, 2-3 in dieser ersten Auferstehung? Als Auferstandene sind sie außerhalb der Zeit und können somit zu jeder Zeit erscheinen, also auch zu Jesu Zeiten. Ihr Sichtbarwerden zusammen mit Jesus war ein Kairos-Moment für die Erde.

Die Offenbarung 20 ist wegen des Ineinandergreifens vom Diesseitigen, Irdischen mit dem Jenseitigen, Übernatürlichen, nicht so leicht zu begreifen.
Manche interpretieren diese "erste" Auferstehung als eine nur geistliche Auferstehung, die die Autorität der Gläubigen im Reich Gottes widerspiegelt. Sie wäre dann das geistliche Leben und Regieren in Christus, das jetzt schon gilt, mit allen Auswirkungen auf der Erde und für die Welt. Die "zweite" Auferstehung wäre dann die leibliche Auferstehung am Ende der Zeit. Ob dies mit allen Bibelstellen so vereinbar ist, muss man prüfen.
Eine weitere Frage wäre, ob diese "erste" Auferstehung nur die Märtyrer betrifft oder allgemein alle, die nicht den Satan, sondern den Herrn Jesus anbeten (...UND die das Tier und sein Bild nicht angebetet hatten...), d. h. UND wäre im Sinne von ODER interpretiert. Viele sind der Meinung, diese erste Auferstehung aus Offenbarung 20 betrifft alle an Jesus Gläubigen. Diejenigen, die in der ersten Auferstehung alle Gläubigen sehen, also z. B. nicht nur die Märtyrer, würden in der zweiten Auferstehung zum Beispiel alle Menschen sehen, die nicht das Evangelium hören konnten.
Andere sehen in der Beschreibung von Offenbarung 20 eine ganz neue Ära oder Dimension, in die die Erde hinein kommt. Hier ist der "Himmel auf Erden", jedoch nicht das ewige Leben für all die Menschen, die schon zuvor gestorben waren. Vielleicht stellt dies so etwas wie eine Vorstufe, ein Erstling oder ein Einlasstor zum neuen Himmel und der neuen Erde dar. Die "Gegenwart des Herrn" ist da; wohl ist er "mit seinen Heiligen" bereits gekommen, wobei nicht sicher ist, in welcher Form die Dimension der Auferstandenen auf der alten Erde sichtbar wird.

Vergleichbar beschreibt Jesaja "himmlische" Dinge, die sich zur Erde hin ereignen:
(in Jes 34: Der Zorn über die Heiden, das Heer des Himmels schwindet dahin)
Jes 35, 1 Die Wüste und Einöde wird frohlocken... 8-10 Und es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.
in Jes 65, 16-25: ... ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.... Ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude... Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und bewohnen... Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne... und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen... Wolf und Schaf sollen beieinander weiden... Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Menschen, die noch sterben, sind noch keine Auferstandenen!

In der ersten und zweiten Auferstehung geht es insgesamt um eine Unterscheidung von Menschen, die tatsächlich auch mit Jesus regieren. Mit Jesus zu herrschen bedeutet, ihn mehr zu lieben als das eigene Leben.

Regieren mit Jesus kann man nur, indem man ihm gleich gesonnen ist und in Seiner Autorität handelt. Nur so wird Sein Reich auch zum eigenen Erbe werden. Wer in der Sünde bleibt und sich nicht reinigt und heiligt, kann keine vollkommene Herrschaft mit Jesus, kein göttliches Priestertum ausüben. Denken wir einmal an die aufwendigen Reinigungsprozesse der Priester für ihren Dienst in der Stiftshütte! Ohne diese Reinigung konnten sie ihren Dienst nicht verrichten. Diesen Dienst sollten wir nicht lässig sehen, sondern es liegt eine hohe Verantwortung auf ihm. Durch diesen Dienst können Menschen mit Gott versöhnt werden und ewiges Leben empfangen.
Die Märtyrer spielen eine entscheidende Rolle im Öffnen der Siegel. Das Blut der Märtyrer hat größte Kraft, das Reich Gottes hervorzubringen. Die Bibel sagt auch, wer sein Leben verliert, wird es wieder gewinnen. Dies gilt ganz gewiss auch wörtlich für die Märtyrer.

Wer überwindet, sitzt mit auf dem Thron (Off 3, 21).

In der Auferstehung sind die Menschen in gewisser Weise das, was sie im Leben schon gewesen sind, allerdings in einer von Gott vollendeten und herrlich gemachten Weise. So ist es nahe liegend, dass dieses Regieren der Heiligen nicht erst in ihrer Auferstehung bedeutend wird, sondern schon im diesseitigen Leben in Kraft tritt.
Hier bin ich wieder an Jesaja erinnert, der gar keine Unterscheidung zwischen einem diesseitigen und einem himmlischen Jerusalem macht. Es gibt keine Trennlinie und keinen einschneidenden Übergang in der Darstellung. Jesaja schaut einfach in die Tiefe und in Gottes ewige Bestimmungen, wenn er von Zion und Jerusalem spricht.

Alle Reiche der Welt gehören dem Herrn, und er ist zum König und Richter über alles gesetzt.

Die "erste Auferstehung" steht im Zusammenhang mit der Herrschaft Jesu und der Heiligen, dem Königtum Jesu, das auf der Erde offenbar wird. Es geht um sein Reich.
Die "zweite Auferstehung" steht im Zusammenhang mit dem Gericht nach den Werken, (den Büchern,) und mit dem Buch des Lebens bzw. der ewigen Verdammnis.


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