1.0 Keine Angst vor der Offenbarung


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Die Offenbarung ist ein Buch des Lobpreises, ein Zeugnis der unendlichen Kraft Gottes, seiner unergründlichen Liebe zu den Menschen und eine tiefe Erkenntnis über Jesus, den Sohn Gottes, Mensch geworden auf der Erde.
Sie umfasst alle Wahrheiten in allen Dimensionen: in den Dimensionen von Raum und Zeit, in denen wir als Menschen bisher auf der Erde leben und in denen wir in unseren natürlichen Leibern als Samen gesät sind, und in den "übernatürlichen" oder "himmlischen" Dimensionen der unsichtbaren Welt, bis hin zum ewigen Thron Gottes.
Es gibt mächtige Bewegungen in den "himmlischen Örtern" - jedoch der Thron Gottes bleibt fest. Gott ist heilig und ewig. Die Bewegungen und Kämpfe der himmlischen Mächte und Gewalten stehen in Beziehung zu dem Wirken Jesu auf der Erde und zu dem Leben aller Menschen auf der Erde.

Die Offenbarung, die Johannes niederschrieb, ist genauso wie jedes andere Buch der Bibel eine Offenbarung über Gott und seine Sehnsucht nach den Menschen.
Johannes war ein Jünger Jesu und Apostel, der seinen Herrn sehr liebte, und den Jesus lieb hatte. Diesem vertraute Gott diese Einsichten an. Wir lesen vergleichbar ebenso bei Daniel, dass dieser von Gott geliebt war, und Daniel selber war sehr betroffen, ja praktisch krank, als er solche Visionen hatte.
Sowohl Johannes als auch Daniel waren Personen, die ihrem Herrn und Gott bis aufs Äußerste treu waren und unerschütterlichen Glauben bewiesen hatten. Sie waren ihrem Auftrag, das Reich Gottes, den Frieden und die Gerechtigkeit Gottes zu verkündigen und zu leben, von Herzen hingegeben. Sie waren auch Personen, die über ihren Herrn und seine Worte nachdachten, mit ihm redeten und ihm auch ihre Fragen stellten.

Kein Buch der Bibel hat so viele Rätsel aufgetan, Verwirrung, ja gar Missbrauch gestiftet, eine Unmenge an Interpretationen und Zukunftsdeutungen aufgetan wie die Offenbarung, die selbst in ihrer biblischen Kanonisierung umstritten war. Etliche Bilder daraus sind in den weltweiten Sprachschatz eingegangen und selbst Ungläubige haben irgendeine Ahnung vom letzten Gericht. Wer kein positives Gottesbild hat, hat zwangsweise Probleme mit der Offenbarung - oft wird sie dann zum Auslöser von Angst und Sorgen: Wie schlimm wird alles werden, wie schrecklich wird die Erde zerstört, werde ich durchhalten, werden alle Christen und Juden getötet? Kommt jetzt der Weltuntergang?
Kein Wunder, dass sie mächtig von Anfechtung begleitet wird, denn sie offenbart mit dem 7. Siegel die Vollendung aller Dinge und den gewaltigen Sieg Gottes über alles Böse und den Teufel selbst. Das Ausmaß dieses Sieges können wir in unserer begrenzten Vorstellung nur erahnen.

Die biblischen Aussagen, die "hinter den Kulissen" dieses sichtbaren Himmels und der materiellen Erde stehen, sind "geistliche" Wahrheiten. Diese geistlichen Wahrheiten brechen entweder zu ihrer Zeit in das Sichtbare ein und werden dann für die Menschen offenbar. Oder aber sie werden zunächst geglaubt, bevor sie "gesehen" werden.

Weil die ewigen und übernatürlichen Dimensionen für den Menschen nur begrenzt erfassbar sind, werden sie in Bilder und Vergleiche gefasst. Dennoch sind sie als Bilder und Vergleiche absolut zutreffend. Die Bibel ist ein prophetisches Buch und man kann davon ausgehen, dass in diesen bildhaften Aussagen immer mehrere Bedeutungsebenen gleichzeitig enthalten sind: eine Erfüllung in einer natürlichen, konkreten sichtbaren Ebene, z. Bsp. einem historischen Ereignis, und die Bedeutung in der seelischen und geistlichen Ebene der Menschen.

Die Welt- und Heilsgeschichte ist finalistisch anzusehen, das heißt, auf ein Ziel, auf eine Vollkommenheit zusteuernd. In diesem Verlauf gibt es Offenbarung und Erlösung für einzelne Menschen oder ganze Völker. Zu bestimmten Zeiten greift Gott immer wieder in das Leben von Menschen und Völkern ein, und er hat es insbesondere im Geheimnis der Menschwerdung durch Jesus getan. Die Bibel bezeichnet die Zeit seit Jesus als die letzte Zeit, die Endzeit. Da Jesus bereits alles vollbracht hat, liegt es an den Menschen und Völkern, dies zu ergreifen und die Vollendung aller Dinge zu beschleunigen.

Das Universum, wie wir es kennen, hat eine zeitliche und räumliche Begrenzung, es ist eben nicht "unendlich". Diese Ansicht wird von der modernen Wissenschaft durchaus vertreten. Raum, Materie und Zeit stehen innerhalb des Systems in Beziehung zueinander.
Auch im Bereich des Mikrokosmos gibt es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht das "unendlich Kleine". Auch hier gibt es einen Übergang in andere, nicht mehr messbare Bereiche, in denen andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Die Wissenschaft macht immer wieder neue Entdeckungen und rechnet durchaus schon mit Bereichen, die außerhalb der bisher erfahrenen Gesetzmäßigkeiten und Konstanten liegen.

Die Bibel und jede biblische Offenbarung Gottes lehren uns, dass wir unser Wissen und Denken nicht nur auf den "natürlichen" für uns naturgesetzlich erfahrbaren und verstandesmäßig erfassbaren Bereich beschränken sollen. Wissenschaftler und Mathematiker gehen davon aus, dass es insgesamt vielleicht sogar 10 Dimensionen gibt, wird selbst leben in 4 Dimensionen, 3 des Raumes und eine der Zeit. Gott ist ein Gott der Wunder und ein Gott von mehr als 4 Dimensionen.

Die Begrenzung dieses Raumes und der Zeit ist die Folge des Ungehorsams und Misstrauens der Menschen gegenüber Gott. Inmitten der Ewigkeit Gottes ist die (vom Sündenfall her) "gefallene Erde".
Tod und Verfall sind durch die Sünde in die Welt gekommen. Solange wir in einer "gefallenen Welt" leben, gelten die Gesetze von Begrenztheit, Entropie, Verrottung, Alterung, Verwesung, dazu Krankheit und Mühsal. Diese Dinge können vom Menschen selbst nicht überwunden werden. Bemerkenswert ist, dass die Erde durch ihre Kugelform auch eine begrenzte Oberfläche hat.
Gleichzeitig wird jedoch die Menschheit durch Fortpflanzung erhalten. Wachstum, Entfaltung, Heilung und Erneuerung sind schon als das Zeugnis Jesu in unserem Leben am Wirken. Die Menschen haben begrenzten Einblick in die Herrlichkeit Gottes, ihre Erkenntnis ist abhängig von der Offenbarung Gottes und ist Stückwerk.

Das Weltall ist riesig, und man weiß nicht, ob an seinem "Ende" Raum und Zeit ins Unendliche übergehen bzw. ihren Abschluss finden. Zum andern ist Gottes Himmel nicht irgendwo unendlich weit draußen, sondern ist eine für das natürliche Auge unsichtbare Dimension, die uns hier und jetzt umgibt. Als Wahrheit ist sie realer als das jetzt Sichtbare, weil dieses ja vergänglich ist.

Was war vor dem bzw. außerhalb des Sündenfalls? Wenn der Tod durch die Sünde in die Welt gekommen ist, gab oder gibt es eine Schöpfung, die diese Begrenzung nicht kennt. Nur die gefallene Welt hat ein Ende an sich. Wenn wir glauben, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um sie von Sünde und Tod zu befreien, und dass er gekommen ist, um ewiges Leben zu schenken, dann können wir auch glauben, dass die Begrenzung dieser Schöpfung und die Begrenztheit unseres Lebens einmal ein Ende hat. Die Bibel spricht davon, dass das Verwesliche die Unverweslichkeit anziehen wird, und dass eine Verwandlung stattfinden wird.

Ps 90, 2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Am Anfang schuf Gott (die) Himmel und die Erde. Er schuf das Licht, das keiner Lichtträger bedurfte. Wir lesen hier von einem Anfang: Anfang von Raum, Materie und verschiedene Zeiten, jedoch von keinem Ende. Auch den Begriff der "Zeiten" sehe ich hier als etwas an, das nicht "vergeht", sondern "besteht". Alles war gut und alles konnte in der Heiligkeit und Gegenwart Gottes bestehen bleiben. Es gab nichts Vergängliches.
Mit dem Sündenfall fand der Mensch sich außerhalb des Paradieses wieder und getrennt vom Baum des Lebens. Als Getrennter von Gott und mit den Folgen der Sünde behaftet war es "gut", nicht ewig zu leben (Gen 3, 22-24). Der natürliche Tod begrenzt die Lebenszeit des Menschen. Der "geistliche" Tod bedeutet die Finsternis, die Trennung von Gottes Gegenwart und Vollkommenheit.

Jesus ist der Anfang und das Ende, Schöpfer und Vollender aller Dinge. Er steht an diesem Ende. Er selbst hat alles erfüllt. Er selbst wird alles vollenden. Er selbst macht dem Tod, der Vergänglichkeit, der Hölle ein Ende. Das Ziel der Erlösung zum ewigen Leben gilt für alle Menschen, egal, wann sie leben oder gelebt haben.
Als Menschen, denen eine befristete Zeit gegeben ist, leben wir in der chronologischen Zeitfolge. Sie läuft ab, wird gelebt und ist nicht mehr rückgängig zu machen.
Als Menschheitsgeschichte laufen wir auf ein Ende der Zeit, bzw. eine Erfüllung, ein Ausdienen der Zeit zu. Wenn die Zeit ausgedient hat, werden wir auch den Raum mit der Materie anders erfahren als jetzt. Solange wir uns in Raum und Zeit bewegen, können wir uns zu einem bestimmten Zeitpunkt nur an einem bestimmten Ort bewegen. Wir sind nicht überall "gleichzeitig", und wir brauchen eine bestimmte Zeit, um von einem Ort zum andern zu kommen. Auch unsere Wahrnehmung ist in der Regel dann auch auf diesen Ort und diese Zeit beschränkt.
Wenn die Zeit aufgehoben wird (Off 10, 6: Es soll hinfort keine "Zeit" / "Frist" / "Chronos" mehr sein) und das Universum von seiner Befristung befreit wird, sind alle Menschen, die je gelebt haben, dann auch für das Erscheinen vor dem Thron Gottes bereit. ("Chronos" wird hier auch im Sinne von "Aufschub", "Verzögerung" übersetzt.)

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